VSPS Phonovorstufe

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Wer heute noch einen Plattenspieler betreiben will, kennt das Problem: Kaum einer der aktuellen Verstärker hat noch einen Vorverstärker für den Plattenspieler eingebaut. Und ohne einen solchen lässt sich ein Plattenspieler nicht an einem normalen Eingang betreiben.

Phonoabtaster liefern nur einen sehr geringe Spannung (MC typ. 0.3-0.5mV, MM typ. 3-5mV), die entsprechend verstärkt werden muss. Zusätzlich müssen noch diverse Entzerrungen durchgeführt werden, da die Tiefen stark abgeschwächt und die Höhen verstärkt aufgezeichnet sind.

Schaltungen für solche Vorverstärker findet man im Internet viele. Das hier vorgestellte Konzept hat seinen Ursprung in einem RJM-Projekt. Allerdings wurde die Spannungsversorgung verbessert. Statt einfacher Festspannungsregler sind nun etwas bessere justierbare Typen im Einsatz. Die Materialkosten erhöhen sich damit allerdings nur um weniger als einen Euro.

Am Ausgang gibt es die Möglichkeit zusätzlich über einen Widerstand eine negative Vorspannung anzulegen. Hierdurch versucht der OPV, die Ausgangsspannung wieder auf 0V zu regeln, was zu einem konstanten Strom auf Betriebsspannungsseite führt. Damit wird der OPV in den Single Ended Betrieb getrieben (ich hab das nur abgetippt ;)). Klanglich soll sich das u.U. positiv auswirken. Ein Beispiel für eine solche Schaltung findet man z.B. auch im Analog Addicts Preamp.

Spannungsversorgung

VSPS - Netzteil

Hier ist die Schaltung die Spannungsversorgung zu sehen. Nach dem Spannungsregler folgt noch ein CRC-Glied, was evtl. noch vorhandene Restwelligkeiten nochmals unterdrücken soll. Natürlich könnte man hier auch LC-Filter einsetzen, aber diese machen nur mit grösseren Drosselspulen Sinn, die für dieses Miniprojekt übertrieben wären.

Die Ausgangsspannung des Reglers wird über die Widerstände R1-R4 definiert. Sie kann abgeschätzt werden mit U=1.25V*(1+(R2/R1)). Je nach Eingangsspannung und genutztem OPV kann eine Spannung zwischen 12V und 18V sinnvoll sein. Man muss jedoch beachten, dass der Regler auch einen Spannungsabfall produziert. Recht gut funktioniert es, die Spannung des Reglers auf den Effektivwert der Spannung des Trafos zu setzen (oder kleiner, falls man ansonsten auf mehr als 18V kommt).  Benutzt man also einen Trafo mit 2x12V Ausgangsspannung, sollte der Regler auch auf ca. 12V dimensioniert werden (das können auch durchaus ein paar 100mV mehr oder weniger sein, die absolute Spannung ist eigentlich nicht interessant, solange sie in einem sinnvollen Arbeitsbereich liegt).

Weiterhin sollte man beachten, dass der Strom der über R1 und R2 fliesst, minimal 5mA sein sollten (mehr als 10mA machen auch keinen Sinn), damit der Regler immer eine Last sieht.

Hier ein paar Beispieldimensionierungen:

R1

R2

Uout

220 Ohm

2,7 kOhm

16.6V

220 Ohm

2,2 kOhm

13.8V

220 Ohm

1,8 kOhm

11.5V

Die Dimensionierung der Widerstände des CRC-Filters hängt vom Strombedarf der Schaltung und von der Spannung nach dem Regler ab.

Phonostufe

Als Phonostufe dient ein einzelner Operationsverstärker. Sämtliche Entzerrungen werden "aktiv", d.h. im Rückkoplungszweig erledigt.

Bei den Kondensatoren im Rückkopplungszweig sollte es sich um hochwertige Typen (MKT, Styroflex, o.ä.) mit 1% Toleranz handeln (maximal 2.5%). Falls Kondensatoren dieser Toleranz nicht einfach zu beschaffen sind (momentan sind solche Typen aber sowohl bei Conrad als auch bei Reichelt zu bekommen), so kann man auch eine Anzahl Kondensatoren mit grösserer Toleranz nehmen und selbst ein Paar mit geringer Toleranz raussuchen.

Leider arbeiten manche Kapazitätsmessgeräte im Bereich um 1nF extrem ungenau (meins ist erst ab ca. 10nF wirklich zu gebrauchen). Ich habe dafür einen einfachen Rechteckgenerator mit einem NE555 zusammengebaut. Dann wird der entsprechende Kondensator eingesetzt und die Frequenz gemessen (Frequenzen kann mein Messgerät wiederum sehr genau messen). So eine Schaltung ist nicht unbedingt temperaturstabil und als Messgerät für absolute Werte nicht zu gebrauchen. Um aber die Kapazitätsunterschiede zwischen verschiedenen Kondensatoren zu messen, ist das ausreichend. Ich gehe mal davon aus, dass sich während der Messung von einer Handvoll Kondensatoren die Raumtemperatur nicht wesentlich ändert.

Der eingezeichnete TL072 OPV ist die billigste Variante dieses Verstärkers. Allerdings bekommt man für etwas mehr Geld auch deutlich bessere OPVs. Eine Budget-Empfehlung ist der OPA 2134. Dann kann man sogar behaupten, einen Burr-Brown-OPV verbaut zu haben Smiley. Natürlich kann man auch High-End-OPVs einsetzen, allerdings sollte man sich die Frage stellen, ob es Sinn macht, in einer Schaltung mit 10 Euro Bauteilekosten noch zwei OPVs für je 20 Euro einzubauen.Der Trick mit der negativen Spannung am Ausgang des OPV bewirkt einen konstanten Ruhestrom durch den OPV. Dadurch wird die Ausgangsstufe etwas in Richtung Class-A-Betrieb verschoben. Eine kurze Erklärung dazu findet man auf www.hawkaudio.nl.

Die Originalschaltung kommt ohne diesen Trick aus. Ob daraus überhaupt hörbare klangliche Vorteile bringt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich empfehle daher, dei Schaltung erst einmal ohne die Bauteile C4L, C4R, C5L, C5R, R8L, R8R aufzubauen.

Als Koppelkondensator kommt ein kleiner MKT-Typ zum Einsatz. Aus klanglicher Sicht wären hier MKP-Typen evtl. noch etwas besser, jedoch sind diese relativ gross, was die Platine stark vergrössern würde. Wer dennoch einen MKT-Typen einsetzen will, kann diesen auch "huckepack" auflöten.

VSPS - Die Phonostufe

Platine

Die Schaltung lässt sich eigentlich recht gut auf einer Lochraster-Platine aufbauen. Allerdings kann eine richtige Platine auch nicht schaden. Daher hier ein Vorschlag. Glücklicherweise ist die Schaltung so einfach, dass man das Ganze auf einer einlagigen Platine ohne Drahtbrücken aufbauen kann.

Aber da sind ja doch 2 Drahtbrücken! Diese werden nur benötigt, wenn man die Spannung hinter dem Spannungsregler abgreifen und für andere Sachen benutzen will. Das kann z.B. für die Stromversorgung eines MC-PrePre sinnvoll sein. Ansonsten lässt man die Drahtbrücken und den 3. Molex-Stecker einfach weg.

VSPS Platine

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