Thorens TD 125MKII - die lustige Sicherung

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Vor kurzem habe ich einen ca. 35 Jahre alten Thorens 125MKII erworben. Der Vedacht lag nahe, dass aufgrund des Alters die Elektronik zur Motorsteuerung (ein recht simpler Wien-Brücken-Oszillator) evtl. nicht mehr korrekt funktioniert. Vor allem Elektrolytkondensatoren verlieren im Alter deutlich an Kapazität, was die Siebung beeinflussen kann.

Da ist es gut, wenn man ein Oszilloskop zur Hand hat. Eine Prüfung der Spannungen, die am Motor anliegen (es handelt sich um 2 leicht phasenversetzte sinusförmige Wechselspannungen) zeigt, dass hier irgendetwas nicht ganz stimmt:

Spannungen am Netzteil vor der Reparatur

Auf Vinylengine.com findet man glücklicherweise auch das Service-Manual für den TD125 (und die meisten anderen Thorens-Modelle), das auch den Schaltplan für die Motorsteuerung enthält:

Der Verdacht lag nahe, dass die Elkos kaum noch Kapazität bereitstellen und die Stromversorgung damit zusammenbricht. Also baute ich die Steuerplatine aus. Und siehe da: Die Elkos wurden scheinbar schon einmal in den letzten Jahren gewechselt. Sie hatten auch ihre volle Kapazität und konnten daher nicht die Schuldigen sein.

Also weiter mit der Suche und das Problem war schnell gefunden: Die Schaltung arbeitet mit einer symmetrischen Stromversorgung, aber nur eine der beiden Sekundärwicklungen lieferte eine Spannung. Ein kurzes Nachmessen zeigte: Die zweite Sekundärwicklung war unterbrochen.

Sollte der Trafo wirklich durchgebrannt sein? Erstaunlicherweise gehen recht viele Drähte zum Trafo, während es laut Schaltplan nur 6 sein sollten. Nach Demontage des Trafos war das Rätsel gelöst: Die Sekundärwicklungen gehen nochmal zurück zur Sicherungsplatine. Und siehe da: Eine der beiden Sekundärwicklungen ist über eine Sicherung geschützt, die durchgebrannt war. Jetzt stelle ich mir allerdings ein paar Fragen:

  1. Was haben sich die Entwickler dabei gedacht, nur eine der beiden Sekundärwicklungen durch eine Sicherung abzusichern? Die Tatsache, dass die Schaltung auch mit durchgebrannter Sicherung noch mit Strom versorgt wird, spricht wohl für sich.
  2. Warum ist das nicht im Schaltplan vermerkt?

Die 2. Frage ist vielleicht durch die erste beantwortet. Wenn man diesen Schaltplan aufgezeichnet hätte, wäre nämlich vielleicht aufgefallen, wie sinnlos es ist, nur eine der beiden Sekundärspannungen abzusichern. Das Beispiel zeigt es: Die Schaltung wird trotz durchgebrannter Sicherung immer noch mit Strom versorgt, funktioniert aber nicht mehr völlig korrekt.

Nach dem Ersatz der defekten Sicherung sieht es nun wieder ordentlich aus:

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Es gibt im High-End-Bereich einige Anbieter von Zusatznetzteilen, die aus der Netzwechselspannung selbst einen neuen "sauberen" Sinus generieren. Und es finden sich auch viele Berichte über eine extreme Verbesserung des Klangbildes in allen möglichen Bereichen. Wenn man sich die Oszilloskopenbilder vor der Reparatur anschaut, wird man feststellen, dass das sicher kein perfekter Sinus war. Dennoch war diese Störung für mich nicht hörbar. Vielleicht hätte ein echter Blindtest mit und ohne Sicherung minimale hörbare Unterschiede gezeigt - eine dramatisch schlechte Performance war für mich aber nicht feststellbar.

Interessanterweise findet man auch praktisch nie echte Blindtests zu den Wirkungen solcher Supernetzteile (mir ist zumindest kein solcher Bericht bekannt). Mehr will ich dazu garnicht sagen - hier kann jeder seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

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